„Können Sie ein Paket für den Nachbarn annehmen?“
Klar.
Paket: Bürostuhl.
Flur: jetzt Möbelhaus.
Seit ich öfter zu Hause arbeite, nehme ich ziemlich viele Pakete für Nachbarn an.
Anfangs fand ich das eher nervig. Inzwischen kenne ich dadurch aber zumindest die Namen von Leuten, mit denen ich vorher drei Jahre im selben Haus gewohnt und fast nie gesprochen habe.
Eine ältere Nachbarin bringt manchmal sogar Schokolade mit, wenn ich etwas für sie angenommen habe.
Paketshop bin ich trotzdem ungern. Aber es hat überraschenderweise auch eine soziale Seite.
Bei Paketen entsteht manchmal eine merkwürdige Erwartung, weil man ja sowieso zu Hause ist.
Aber „ich bin da“ und „ich möchte Verantwortung für fremde Lieferungen übernehmen“ sind zwei verschiedene Aussagen.
Nein zu sagen ist nicht automatisch schlechte Nachbarschaft.
„Dann geben Sie es einfach beim Nachbarn ab“ funktioniert nicht für jede Sendung automatisch. Absender können Nachbarschaftszustellung bei bestimmten Paketen ausschließen, etwa wenn eine persönliche Zustellung wichtiger ist. Auch im Paketalltag gibt es Dinge, bei denen Bequemlichkeit nicht die einzige Priorität ist.
Seit ich öfter zu Hause arbeite, habe ich verstanden, dass „jemand ist tagsüber da“ für Paketdienste eine sehr wertvolle Information ist.
Das Problem ist nur: Aus einmal nett die Tür öffnen wird ziemlich schnell „da oben nimmt meistens jemand an“.
Homeoffice ist praktisch. Eigentlich arbeite ich trotzdem nicht an der Rezeption.
Ein Paket für den Nachbarn nehme ich gern an. Ab Tag drei verändert sich meine Beziehung dazu etwas. Dann steht plötzlich ein fremder Karton im Flur und ich beginne mich zu fragen, ob aus Nachbarschaftshilfe irgendwann Lagerhaltung geworden ist.
Ab und zu ein Paket für jemanden im Haus anzunehmen finde ich normale Nachbarschaftshilfe.
Wenn für dieselbe Wohnung aber dreimal pro Woche geklingelt wird, verändert sich das Gefühl.
Eine Nettigkeit funktioniert besser, solange sie nicht stillschweigend Teil des Lieferkonzepts wird.
Ich nehme Pakete für Nachbarn eigentlich gern an.
Was ich nicht mag, ist ein Paket drei Tage lang anzuschauen und mich langsam zu fragen, ob ich jetzt verpflichtet bin, es persönlich vorbeizubringen.
Ich habe deinen neuen Staubsauger angenommen.
Der letzte Meter gehört dir.
Videocall.
Es klingelt.
„Paket.“
Man entschuldigt sich, läuft zur Tür und stellt anschließend fest: nicht das eigene.
Es ist schon interessant, wie Online-Shopping auch Menschen beschäftigen kann, die gerade gar nichts bestellt haben.
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